Thema
ADHS und Sozialpädagogik

Epidemieartig hat sich im letzten Jahrzehnt die Zahl der Kinder, die unter Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten (ADS) leiden, vermehrt. Fachleute gehen davon aus, dass inzwischen bis zu 40 Prozent der Kinder eines Jahrgangs betroffen sind. Die Diskussion dieses Phänomens verläuft in der Öffentlichkeit und der Fachpraxis äußerst kontrovers und reicht bis zur Biologisierung der ADS-Symptomatik.
Experten gehen inzwischen vermehrt davon aus, dass sich im Zuge einer Enttraditionalisierung der Gesellschaft und einer Neudefinition von Familie und Erziehung jenseits hergebrachter Rollenzuweisungen neue Konfliktformen zwischen Eltern und Kindern entwickeln, zu denen auch ADS gehört. Hinzu kommt, dass der Leistungsdruck für Kinder in den letzten Jahren zugenommen hat. Vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Diskurse betreiben Eltern schon im frühesten Kindesalter gezielt Karriereplanung für ihren Nachwuchs.
Was aber, wenn Kinder den vielfältigen hohen Ansprüchen nicht genügen können und vor Anforderungen, die oftmals keine Rücksicht auf die kindliche Entwicklung nehmen, versagen und/oder Verweigerungshaltungen einnehmen? Gehört ADS mit zu Reaktionen der betroffenen Kinder auf überhöhte Ansprüche an Leistung und entsprechende nicht kindgerechte Verhaltensformen?
Christian Scherer, Student an der Fachhochschule Darmstadt hat
eine Arbeit zum Thema "Das ADS-Phänomen - Symptom einer
strukturellen Verwahrlosung?" vorgelegt, die sich kritisch
mit der Problematik auseinandersetzt und eine Analyse der Ursachen
von Verhaltensauffälligkeiten in systemischer Betrachtungsweise
anbietet. Die Arbeit wurde uns freundlicherweise zum Download zur
Verfügung gestellt: