Petition für qualifizierte pädagogische Ausbildungen

Änderung des Schulorganisationsgesetzes, des Schulunterrichtsgesetzes, des Pflichtschulerhaltungs-Grundsatzgesetzes, des Hochschulgesetzes 2005

Unser Anliegen
Der Berufsverband Österreichischer ErzieherInnen und SozialpädagogInnen (BOES) fordert Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied und die Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung dringend auf, von der Einführung der Ausbildung zum „Akademischen Freizeitpädagogen“ / zur „Akademischen Freizeitpädagogin“ abzusehen.

Begründung
Die Ausbildung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen ist ein wichtiges Anliegen der österreichischen Gesellschaft. Dies wird aktuell vor allem in den laufenden Bemühungen rund um die PädagogInnenbildung Neu! auf allen Ebenen deutlich. Nicht nur die Qualifizierung von LehrerInnen aller Schultypen wird neu konzipiert, auch die Ausbildung für Kindergarten- und SozialpädagogInnen wird in diesem Gesamtkonzept einer österreichweiten Bildungsinitiative überarbeitet und im tertiären Sektor verankert (siehe Endbericht der ExpertInnengruppe – „LehrerInnenbildung neu“ – www.lb-neu.at). Es wird großer Wert auf eine qualifizierte Ausbildung all jener Personen gelegt, die neben den Eltern die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung fördern, fordern und begleiten.

Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen bieten nicht nur für Kinder und Jugendliche viele Herausforderungen: Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil, Patchworkfamilien, ein hoher Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die zunehmende Komplexität der Lebenswelten, wirtschaftliche Herausforderungen, etc. fordern sowohl die Erwachsenen als auch insbesondere die Kinder und Jugendlichen tagtäglich. Um eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen ist daher die Begleitung durch gut ausgebildete BetreuerInnen auch in der Freizeit unabdingbar, die nicht nur als Aufsichtspersonen fungieren sondern aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen auf die individuellen Bedürfnisse und Problemlagen der Kinder und Jugendlichen optimal eingehen können.

Die „Hochschullehrgänge für Freizeitpädagogik“ sehen eine Ausbildung im Ausmaß von 60 ECTS-Credits vor. Ohne jegliche pädagogische Vorbildung kann hier nicht von einer ausreichenden Qualifikation für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen im Bereich der Schulischen Nachmittagsbetreuung / Ganztagesschule gesprochen werden. Außerdem suggeriert die Bezeichnung „Akademischer Freizeitpädagoge/Akademische Freizeitpädagogin“ eine akademische Qualifikation, die keineswegs gegeben ist.
Außerdem steht AbsolventInnen dieser Ausbildung nur ein sehr eingeschränktes Tätigkeitsfeld offen, sodass die Nachhaltigkeit dieser Ausbildung auch für die angehenden FreizeitpädagogInnen sehr zweifelhaft ist.

Wir, die Unterzeichnenden, fordern daher Sie, Frau Bundesminister Schmied und die Österreichische Bundesregierung dazu auf, diese „Hochschullehrgänge für Freizeitpädagogik“ nicht einzuführen.
Stattdessen appellieren wir an Sie, verstärkt (berufsbegleitende) Ausbildungsplätze für SozialpädagogInnen und HorterzieherInnen zur Verfügung zu stellen sowie durch intensivierte Einbindung dieser Berufsgruppen an den Schulen (Soziales Lernen, Schulsozialpädagogik, …) Vollbeschäftigungsmöglichkeiten für diese Berufsgruppen zu schaffen. So kann die Attraktivität des Arbeitsplatzes gesteigert und Synergieeffekte im Interesse einer umfassenden Bildung und Begleitung unserer Kinder und Jugendlichen genutzt werden.

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